Kybernetik - was ist das?Kybernetik

Eine verständliche Einführung

Von Psychologen und Schachspielern

Wir jedenfalls finden nichts Furchterregendes bei der Vorstellung, daß eine Maschine Denkvermögen besitzen könnte.
Im Augenblick läßt sich ohnedies noch nicht so ganz genau sagen, ob Maschinen - sagen wir hier getrost: Elektronenrechner - wohl eines Tages denken können oder nicht. Denken ist zur Zeit nämlich noch durchaus Ansichtssache; die Gelehrten sind sich nicht so ganz einig, was man darunter zu verstehen hat.
Daß die Intelligenz eine wesentliche Voraussetzung für das Denken ist, scheint allgemein klar zu sein. Aber damit kann unser Computer, wie wir sahen, durchaus dienen - sogar in ziemlich hohem Maß.
Ross Ashby, den wir in dieser Publikation schon ausgiebig bemühten, umgeht die Antwort auf die Frage nach den Denkqualitäten der Elektronenrechner mit der resignierten Feststellung, das Denken sei bis jetzt noch eines der ungelösten Probleme der Psychologie. Und von ungeklärten Problemen läßt sich nur schwer sagen, bis zu welchem Grad sie auf Menschen oder Elektronenrechner zutreffen.
Andere Psychologen sind positiver. Wenn wir zwei prominente Vertreter dieses Fachs herausgreifen, einen älteren und einen jüngeren, und beider Definitionen des Denkens untersuchen, so kommen wir zu Erkenntnissen, die nicht jedem gefallen werden. Der jüngere Fachmann ist Professor Peter R. Hofstätter in Hamburg, der ältere Herr ist Sigmund Freud.
Freud sagt, Denken sei "im wesentlichen ein Probehandeln". Will sagen: Der Mensch malt sich, bevor oder statt daß er handelt, aus, wie es wäre, wenn er handelte. Er stellt sich vor, was unter verschiedenen Voraussetzungen passieren wird, jongliert mit Möglichkeiten und Eventualitäten.
Hofstätter führt, ganz ähnlich, aus: "In Situationen, für deren Bewältigung wir weder ererbte Instinkthandlungen noch auch mehr oder minder automatische, zur Gewohnheit gewordene, erlernte Verhaltensweisen bereithalten, pflegen wir unser Tun für eine Weile zu unterbrechen, um uns das weitere Vorgehen zu überlegen. Was in dieser Pause geschieht, bezeichnet man als Denken. Aus der Innensicht des Menschen ergibt sich, daß dabei verschiedene Möglichkeiten und Wege des Agierens bezüglich ihrer Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen werden."
Just dieser Vorgang des Überlegens und Abwägens spielt sich etwa in einem Schachspieler ab. Er überlegt sich vor jedem neuen Zug genau, was er eigentlich tun soll. Er kalkuliert einige Züge im voraus, wägt das Für und Wider jeder Möglichkeit gegeneinander ab und entscheidet sich dann: Er nimmt einen Stein und zieht.
Ein klassisches Beispiel für einen Denkvorgang, nicht wahr?
Nun, und sehen Sie: genau, das können Elektronenrechner auch.
Es gibt sogenannte Schachprogramme, die einen Computer instandsetzen, gegen einen menschlichen Gegner zu spielen. Auch der Elektronenrechner macht nach jedem Zug eine Pause und überdenkt die nächsten paar Züge. Er kalkuliert die eigenen Möglichkeiten, rechnet die vermutlichen Reaktionen des Gegners ein, plant darauf weitere Bewegungen. Kurz; er verhält sich genau wie ein lebendiger Schachspieler.
Dabei bedient er sich ganz ähnlicher Methoden, wie wir sie geschildert haben; Er sucht sich Übergänge von einem Zustand (das heißt: einer Spielsituation) zum nächsten und bewertet jeweils den Erfolg, den er dadurch erzielen könnte. Dort, wo er nach vier oder fünf vorausgedachten Zügen die besten Chancen sieht, zielt er hin.
Wenn die Definitionen, die Freud und Hofstätter vom Denken gegeben haben, richtig sind, dann bleibt uns und Ihnen, lieber Leser, lediglich eine Folgerung: Auch ein Computer kann denken.
Nur Irren ist menschlich.

Kybernetik - Denker

↑ Zum Seitenanfang